16.
Oktober
2008
Mac oder Dose?
Christian macht sich in seinem Weblog gerade Gedanken darüber, ob seine nächste Anschaffung ein iMac oder doch wieder ein PC sein wird. Ich kann die Fragestellung verstehen, weil ich selbst bei jeder Neuanschaffung vor dieser Frage stehe.
Kurz zum Hintergrund bei mir: Meine PC-Historie fing vor vielen Jahren mit einem 386er und Windows 3.1 (später 3.11) an und ging dann über mehrere Stufen mit Updates auf OS und Hardware auch immer mit Windows-Rechnern weiter. Meine letzten drei Rechner waren dann Notebooks, erst von Medion, die letzten beiden von Dell. Den Text schreibe ich gerade auf einem 17-Zöller Notebook von Dell mit einem phantastischen Bildschirm mit 1920 x 1200 Pixel.
Parallel zu meinen privaten Windows-Rechnern habe ich beruflich aber lange Zeit an Macs gearbeitet. Ich habe die Ausbildung zum Schriftsetzer (heute heißt man dann Mediengestalter) an Power-PCs mit Mac OS 7.6 angefangen und habe mich vor mittlerweile fünf Jahren aus dem DTP-Bereich verabschiedet, wobei ich zum Schluss einen G4 mit dem letzten 9er-System auf dem Schreibtisch hatte. OS X kenne ich zugegebenermaßen nur von kurzen Ausflügen zurück in meine alte Abteilung. Die Bedienung im Produktiveinsatz kann ich daher nicht beurteilen.
In den etwa sieben Jahren des Parallelbetriebs beider Systeme konnte ich die Begeisterung meiner Kollegen für das Mac-OS nie verstehen. Viele von denen sind allerdings noch in einer Zeit an die Macs gekommen, als die Programme wie Photoshop, Illustrator und andere auf dem PC gar nicht oder nur mit eingeschränktem Funktionsumfang erhältlich waren. Das ist aber schon so lange vorbei, dass es schon gar nicht mehr wahr ist. Die einzigen Probleme zu dem Zeitpunkt waren noch gemischte Netze und untereinander nicht kompatible Schriften. Der Rest ist Gewöhnung. Ich kenne nicht viele, die so intensiv wie ich in beiden Welten gelebt und vor allen Dingen gearbeitet haben und sich daher wirklich ein Urteil bilden konnten.
Ich habe es in der damaligen Zeit nicht geschafft, eine Vorliebe für eines der beiden Systeme zu entwickeln. Manches fehlte am PC, was der Mac hatte und ungekehrt. Interessant fand ich in dem öffentlich ausgetragenen (und sehr albernen) Systemkrieg allerdings immer die Argumentation der Mac-Jünger. Während zu den eher grauen und rein produktionsbezogenen Zeiten vor OS X immer das fehlende »Klickibunti« als großer Vorteil herausgestellt wurde, weil man so etwas als professioneller Anwender ja schließlich nicht brauche, hat dann OS X genau das eingeführt und dann waren Animationen z. B. in Verbindung mit dem Dock auf einmal das Größte. Bei der Präsentation des Systems auf der Drupa wäre ich vor Lachen fast vom Stuhl gefallen. Aber wie gesagt: Das ist albern und kindisch. Wichtig ist die Bedienbarkeit und nicht die Optik.
Für meine privaten – und später auch Anschaffungen für meinen Nebenerwerb – hat dann wegen fehlender Vorlieben immer der Preis den Ausschlag gegeben: Mein aktuelles Notebook hätte bei Apple ziemlich genau das Doppelte gekostet. Mit der Vorstellung der neuen MacBooks stellt sich die Frage natürlich wieder erneut. Aber wie gut soll das Teil eigentlich sein, wenn ich dafür 2.500 Euro (17-Zöller) auf den Tisch legen soll? Wieviel produktiver soll ich damit sein, wenn der Großteil meiner Arbeit im Texteditor stattfindet und ich nur sporadisch ein paar Grafiken in CS3 aufbereiten muss? Da ich mit dem Teil kaum unterwegs bin (deswegen ist Größe und Gewicht auch kein Kriterium) kann ich noch nicht mal damit angeben.
Als offener Mensch lasse ich mich aber gern vom Vorteil überzeugen. Hat den jemand wirkliche Argumente für mich?
Ach ja: Ich werde das natürlich auch in Christians Weblog verfolgen. Für einen Kommentar an der Stelle war mir meine eigene Geschichte allerdings ein wenig lang.
[Update]
Arne schaltet sich jetzt nach seinem Kommentar unten mit einem sehr langen und sehr ausführlichen Artikel in die Diskussion ein. 30.000 Zeichen ohne jede Polemik.
Hallo Stefan,
ich denke Du hast Recht, dass die Produktivitätssteigerung nicht unbedingt endlos Geld wert ist, wenn Ungewissheit da ist, ob sie überhaupt in dem Maße eintritt. Guter Punkt, den ich als Mittlerweile-Mac-User und Fanboy-Nicht-Versteher auch gerne gelten lasse :-)
Trotzdem hab ich aber den einen oder anderen Punkt anzumerken:
a) Wenn Du vor OS X die Mac-Welt verlassen hast, dann weisst Du ja quasi auch alles nur vom Hörensagen. Denn bekanntermaßen war Apple auf dem absteigenden Ast, weshalb sie sich dann NeXT bzw. im Endeffekt Mac OS X hinzugekauft haben, weshalb OS X so richtig und vollkommen gar nicht mehr mit dem Vorgänger-OS zu vergleichen ist. Genau das war eben nötig, um im Markt wieder Fuß zu fassen und macht von daher Deine Erfahrungswerte mit Pre OS-X denke ich nichtig. Ist nicht böse gemeint, aber es sind eben im Grunde zwei Paar Schuhe, sonst hätte es dort ja nicht den Bruch gegeben.
b) Wenn Du eh nicht mit Deinem 17"-Notebook unterwegs bist, wären für mich 2.500 Euro auch realitätsfern. Denn in dem Falle könnte ich für 2.500 Euro zwei Macs kriegen – einen stationären UND einen mobilen. Würde im Endeffekt nur Vorteile bringen, denn ein 17"-Notebook als primäres Arbeitsgerät finde ich eher anstrengend, warum nicht 20" oder 24" iMac und für die seltenen mobilen Arbeiten ein kleines MacBook in Erwägung ziehen? Das soll nun keine Kaufempfehlung ala »steig auf den Mac um« sein, sondern eher der Beweis, dass die Mac-Welt so teuer gar nicht sein muss. Denn auf die Weise würde man mit den besagten 2.500 Euro definitiv mehr Mehrwert rausholen und das Argument des Preises wäre auch wieder geschmälert ;-)
Summa summarum ist aber denke ich all die Diskussion, die bei Christian angestupst wurde schon deshalb wenig wert, weil es eben auch mehr oder weniger eine Philosophiefrage ist und, wie Christian schon erwähnte, auch eine Art Gruppenzwang bildet. Ohne das ständige fanboy-artige belagern durch andere, käme man dann überhaupt auf die Idee eines Wechsels?
Mein Argument pro Mac ist einfach: Die Qualität des Arbeitsumfelds. Ich bin produktiver, weil ich viel lieber Arbeite. Abstürze haben sich nicht wirklich mehr als ein paar Prozent verringert (waren aufgrund eines gut gepflegten Systems auch unter Windows nicht an der Tagesordnung), aber die Oberfläche ist einfach so viel intuitiver und besser zu bedienen. Und die Produktivitätssteigerung findet auch durch die reduzierte Zeit für administrative Aufgaben statt. Meine Time Capsule sichert per 802.11n im Hintergrund, das Netzwerk steht stabil und ist sicher, die Integration von Airport, iTunes, iPhone, iPod touch und MacBook Pro ist sehr gut. Es macht einfach Spaß.
Ich kenne PCs seit 1988, habe begonnen mit Windows 2. Während Vista bin ich erst umgestiegen und habe es nie bereut. Keinen Tag. Ich bin vielmehr nach wie vor begeistert.
@Arne: Ich hatte ja auch geschrieben, dass ich OS X im Produktiveinsatz nicht beurteilen kann. So ganz fremd ist es mir aber auch nicht, schließlich stehen hier einige aktuelle Macs im Haus.
Der Vorteil meines Notebooks ist einfach, dass ich nicht immer mein Arbeitszimmer nutzen muss sondern bei weniger anspruchsvollen Aufgaben auch einfach im Kreis der Familie auf der Couch sitzen kann. :-)
Es sind aber doch mittlerweile einige Argumente hier und bei Christian zu lesen, die weniger auf die altbekannten philosophischen (oder eher religiösen?) Aspekte abstellen als oftmals rein auf eine Produktivitätssteigerung hinauslaufen. In der Hinsicht wäre dann ein Mehrpreis natürlich schnell gerechtfertigt.
Vielen Dank für das Update :-)
Hm ja ein Mac schaut halt einfach besser aus :-)