Websites">Austausch mit Nutzern barrierearmer Websites

Nun bin ich tatsächlich auch noch eingeladen worden, einen Beitrag zur Accessibility Blog Parade beizusteuern. Ich halte mich zwar absolut nicht für einen Fachmann auf diesem Gebiet, aber schließlich habe ich mir selbst die Barrierearmut auf die Fahne geschrieben und sollte daher auch etwas dazu beitragen können.

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Nutzererfahrungen

Wichtig beim Bau eines barrierearmen Frontends ist neben der Umsetzung eigener Erfahrungen die Beteiligung von und der Austausch mit den Nutzern dieses Frontends. Aber was tun, wenn man selbst nicht auf die Barrierearmut angewiesen ist und auch keine solchen Nutzer im direkten Bekanntenkreis hat?

Ich habe das (manchmal zweifelhafte) Glück, öfter Kontakt zu den Kunden des Shops zu haben, für den ich im Online-Marketing tätig bin. In dieser Eigenschaft habe ich mir in mehreren Jahren immer wieder die E-Mail-Adressen von Kunden zur Seite gelegt, die sich im Verlauf unseres Kontakts als Sehbehinderte, Blinde oder Menschen mit anderen Beeinträchtigungen herausgestellt haben. Als es nun daran ging, einen barrierearmen Shop aufzusetzen, habe ich nun an die Adressen dieser Nutzer die Bitte gerichtet, die erste veröffentlichte Version des Shops einem Test zu unterziehen und mir von ihren Erfahrungen zu berichten und gern auch Verbesserungsvorschläge zu machen.

Austausch mit den Nutzern

Die Antworten waren sehr unterschiedlich: Manche meldeten sich gar nicht, andere waren begeistert und sehr engagiert bei der Sache und wieder andere haben zwar nicht selbst reagiert, haben meine Anfrage jedoch an verschiedene Nutzergruppen weitergeleitet, z. B. über eine Mailingliste, was dann wieder andere Nutzer brachte, die gern geholfen haben.

Die Qualität der Antworten war ähnlich uneinheitlich wie die eigentliche Reaktion. Die absolute Ausnahme waren klare Verbesserungsvorschläge. Allerdings waren bei den meisten Reaktionen die Problembeschreibungen ausführlich genug, um in der einschlägigen Literatur zum Thema auch Lösungen zu finden. Man stellt sehr schnell fest, dass zum einen immer wieder überraschende Probleme auftreten, mit denen man – auch mangels Erfahrung – nicht gerechnet hat und zum anderen, dass Barrierefreiheit ein frommer Wunsch ist und bleiben wird.

Bemerkenswert war, dass mit einer Ausnahme auf diese Anfrage ausschließlich Blinde geantwortet haben. Auch Monate nach dem öffentlichen Start des Shops gab es keine anderen Reaktionen dazu. Die Ausnahme war ein mobiler Nutzer, der zufällig auf der Site gelandet war und sich sehr begeistert geäußert hat.

Was bis heute fehlt, sind Nutzer, die eingeschränkt sehen können. Von diesen wünschte ich mir Berichte über die Links zur Schriftskalierung und zur Möglichkeit der Farbinvertierung. Bis jetzt weiß ich nicht, ob diese Tools genutzt werden oder ob die Nutzer lieber auf die von der Zugangssoftware bereitgestellten Möglichkeiten zurückgreifen. Auch von motorisch eingeschränkten Nutzern fehlen mir Äußerungen, die mich aber brennend interessieren würden.

Fazit

Ein Fazit lässt sich aus dieser Erfahrung kaum ziehen. Wenn überhaupt, dann ist es die Einsicht, dass Barrierearmut in der Umsetzung ein schwieriges Thema ist und vermutlich auch bleibt. Für mich heißt es, das im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten Beste zu tun und den eigenen Lernfortschritt in neue und alte Projekte einfließen zu lassen.

9 Kommentare

  1. Stefan David sagt:

    Und schon ist mein kleiner Beitrag fertig: http://snurl.com/1spqa

  2. Stefan David: Austausch mit Nutzern… http://tinyurl.com/29waxk

  3. Der Praxistest ist stets das Ausschlaggebende, denn neben Nutzererfahrungen ist auch das Zusammenspiel zwischen Hilfsmittel wie Sprachausgaben und Browser bzw. Seite ein Thema, das ,mit der Einhaltung von Standards alleine nicht beurteilt werden kann. Höchstens eine umfassende Erfahrung im Bereich der Barrierefreiheit kann die Nutzbarkeit und somit auch die Gebrauchstauglichkeit für behinderte Nutzer zu einem bestimmten Grad beurteilen lassen.

    Apropos: Die Seite weist zur Zeit ein kleines Problem auf, das eben mit solchen Nutzertests festzustellen ist. Obwohl die englischsprachigen Begriffe ausgezeichnet sind, besitzt die Seite selbst keine Sprachangabe. Offenbar ein Bug in JAWS 7.1 (ein gängiger Screenreader) – nach dem Sprachwechsel beim englischen Begriff wird die Sprache im darauffolgenden deutschsprachigen Fließtext bei deutschen Texten nicht mehr zurückgesetzt. Abhilfe verschafft ein . Dann werden deutschsprachige Texte auch durchgängig in deutsch gelesen bzw. nach einem als englischsprachig gekennzeichneten Begriff schaltet die Sprachausgabe wieder auf deutsch um.

  4. Der fehlende Text war ein Tag. Ich versuche es nochmal:

    <html lang=«de«>

    Ausgeschrieben:

    Spitze Klammer auf html lang=«ede« Spuitze Klammer zu

  5. Stefan David sagt:

    Ah, vielen Dank. Das HTML-Tag wurde jetzt um lang="de" xml:lang="de" (ist ja XHTML) ergänzt.

    Bei selbstgeschriebenen Seiten habe ich das eigentlich standardmäßig drin. Für dieses Weblog hatte ich ein vorhandenes Template angepasst und dabei die Sprachkennzeichnung übersehen.

    Ich hoffe, dass JAWS jetzt weniger Kauderwelsch ausgibt.

  6. […] als Gratwanderung zwischen Pragmatismus und Selbstverständlichkeit, Stefan David thematisiert die Notwendigkeit von Nutzertests, Wolfgang Wiese betrachtet das Thema als globalen Ansatz fürs Web, Jan Eric Hellbusch stellt der […]

  7. […] an der Accessibility Blog Parade, etwa Jens Grochtdreis, Stefan Blanz, Nils Pooker , Dirk Ginader , Stefan David oder Stefan Nitzsche sowie die in Wien aktiven Webkrauts Eric Eggert und Martin Ladstätter von […]

  8. […] diesem Buch Beiträge, die im Rahmen der Accessibility Blog Parade im Herbst 2007 gesammelt wurden. Einer der Beiträge stammt von mir und wird wohl auch in der Druckausgabe veröffentlicht, was mich natürlich sehr […]

  9. […] Darin ab Seite 86 ein Artikel, den ich im Rahmen der Accessibility Blog Parade vor einiger Zeit hier veröffentlicht […]

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